Frauen der Künste und der Wissenschaften

Mary Anning
Pionierin der Paläontologie

Gemälde: Portrait of Mary Anning by Benjamin John Merifield Donne, 1850. (GSL/POR/1)
Gemälde: Portrait of Mary Anning by Benjamin John Merifield Donne, 1850. (GSL/POR/1)

Mary Anning (1799 – 1847)

Mary Anning war eine der ersten Paläontologinnen der Welt. Mary wurde im Frühjahr 1799 in der südenglischen Grafschaft Dorset geboren. Ihr Vater Richard war Tischler und sammelte in seiner Freizeit gerne Fossilien und Muscheln, die er an Reisende verkaufte, um die karge Familienkasse etwas aufzubessern. Ihre Mutter Molly kümmerte sich um die zehn Kinder, von denen jedoch nur Mary und ihr kleinerer Bruder Joseph das Erwachsenenalter erreichten.

Aber auch Marys Überleben hing zwischenzeitlich an einem seidenen Faden: Eine Nachbarin hielt sie als Baby auf dem Arm, als in den Baum, unter dem sie und andere standen, der Blitz einschlug. Nur die kleine Mary überlebte, weswegen sie von da an in ihrem Heimatort als ein besonderes Glückskind galt.

Als Mary 11 Jahre alt war, starb ihr Vater an Tuberkulose, weswegen die Kinder an der Küste Fossilien sammeln mussten, um das Überleben der Familie zu sichern. Diese Fossilien sind in den hellen Felsen und Klippen in Dorset häufig zu finden und waren beliebte Souvenirs von wohlhabenden Touristen für deren Kuriositätenkabinette. Die geschichtliche Bedeutung und Einordnung dieser Fossilien hatte für die meisten Käufer keine Relevanz, da die Theorie, dass es sich hierbei um die Überreste von bereits ausgestorbenen Tieren handelt, selbst unter Wissenschaftlern sehr umstritten war.

Eines Tages entdeckten Mary und ihr Bruder Joseph am Strand einen versteinerten Schädel. Dieser wurde von Fachleuten jedoch zunächst einem Krokodil zugeordnet.

Erst als Mary ein Jahr später an einem Felsbrocken die versteinerten Knochen entdeckte, die zu dem Schädel gehörten, galt dies als spektakulärer Fund. Es handelte sich hierbei um das erste vollständige Skelett eines Ichthyosaurus, eines Fischsauriers. Mary erhielt für diesen erstaunlichen Fund 23 Pfund und das Skelett wurde an ein Museum versteigert. Später stellte eben dieses Skelett die bisherige Forschung über Urgeschichte und Evolution grundlegend auf den Kopf und veränderte diese massgebend.

Von diesem glücklichen Fund angestachelt, verbrachte Mary die meiste Zeit damit, auf teils waghalsigen Touren an der Küste, nach weiteren Fossilien zu suchen. Sie machte mehrere kleinere Entdeckungen, aber ein weiterer Glücksgriff blieb zunächst aus, weswegen es eine harte Zeit für sie und ihre Familie war.

Die Geschichte der kleinen Mary und ihrer armen Familie veranlasste einen wohlhabenden Fossiliensammler, den Annings das Geld seiner versteigerten Fossiliensammlung zu schenken, was der Familie das weitere Überleben sicherte.

Erst im Alter von fast zwanzig Jahren gelang Mary ein weiterer Sensationsfund: Sie fand die Überreste eines Plesiosauriers, eines grossen Meeressauriers. Marys Fund war der erste dieser Saurierart. Sie verbrachte viele Jahre damit, das meterlange Skelett freizulegen und entdeckte währenddessen weitere beachtenswerte Fossilien. Inzwischen hatte sie genug Geld verdient, um ihre Fundstücke in einem kleinen Laden präsentieren zu können. Ihr Geschäft wurde sowohl von wohlhabenden Kunden als auch von Wissenschaftlern gerne besucht, um Fossilien zu bestaunen, zu kaufen oder um sich mit Mary auszutauschen. Mary war zwiegespalten ob diesem Interesse: Obwohl sie sich besser mit Fossilien auskannte als viele Männer, kauften diese, die von ihr gefundenen Fossilien ein und ernteten den Ruhm für deren Beschreibung in wissenschaftlichen Publikationen.

Mary blieb der Weg als anerkannte Paläontologin aufgrund ihres Geschlechts und ihrer fehlenden höheren Schulbildung verwehrt. Erst Jahre später zahlte ihr die British Science Association als Anerkennung eine kleine jährliche Pension aus.

Im Frühjahr 1947 starb Mary Anning mit nur 47 Jahren an Brustkrebs. Ihre Vorreiterrolle in der Paläontologie blieb lange verkannt, doch inzwischen wurden sogar einige ausgestorbene Arten nach ihr benannt.

Stadtbibliothek Rapperswil- Jona, Julia Deger-Helmle

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Die Stadtbibliothek Rapperswil-Jona möchte bekannten und weniger bekannten Frauen und ihrem Werk mehr Sichtbarkeit verleihen. Das künstlerische und wissenschaftliche Schaffen dieser Frauen wird monatlich in Form eines Porträts gewürdigt. Nachdem sich die Beiträge zu Beginn auf Frauen aus dem Bereich der Kunst konzentrierten, werden seit 2024 auch Persönlichkeiten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen in den Blick genommen.

Das aktuellste Porträt der Reihe «Frauen der Künste und der Wissenschaften» finden Sie immer am ersten Freitag des Monats im Newsletter und fortlaufend auf unserer Webseite. Eine Auswahl an Medien für eine weiterführende Beschäftigung mit den Frauenfiguren bietet Ihnen unser Bestand vor Ort.

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