Wie wir wissen, entsteht ein Feuer, wenn man Sonnenstrahlen mit einer Lupe bündelt. Nimmt man Patti Smith und bündelt all ihre Facetten und ihre Power, ergibt dies ein Feuerwerk an Worten, Formen, Klängen, Gefühlen, Träumen und gewaltlosem Widerstand. Niemals pompös, immer ehrlich, roh, authentisch und direkt.
Patti Smith wird 1946 in Chicago geboren und wächst in einfachen, stark religiös geprägten Verhältnissen auf. Doch schon als Teenager zeigt sie eine bemerkenswerte innere Stärke: Mit 16 Jahren verlässt sie die Schule, beginnt in einer Fabrik zu arbeiten und befreit sich Stück für Stück aus dem Korsett ihres einengenden Lebens. Zwei Jahre später bringt sie eine Tochter zur Welt, die sie zur Adoption freigibt.
Mit kaum mehr als ihrer Entschlossenheit und einem grossen Rucksack aus Erfahrungen und Verlusten zieht es sie nach New York – wo sie auf den Fotografen Robert Mapplethorpe trifft. In ihm findet sie einen Seelenverwandten. Ihre tiefe, lebensprägende Freundschaft beschreibt sie in ihrem autobiografischen Werk «Just Kids – Die Geschichte einer Freundschaft» mit zärtlicher Offenheit, poetischer Wucht und bildreicher Sprache. Sie schildert nicht nur ihre Verbundenheit zu Robert, sondern auch das brodelnde New York der 70er – eine Zeit, in der ihre ersten Gedichte veröffentlicht werden und sie über die Musik eine neue Ausdrucksform für ihre Texte findet.

Wie Patty Smith selbst in einem Interview einmal sagt, sieht sie sich in erster Linie als Lyrikerin. Durch die Musik findet sie eher zufällig ein Instrument, um ihre Texte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. 1975 erscheint ihr Debütalbum «Horses». Die kraftvolle Sprache, ihre unverwechselbare, charismatische Bühnenpräsenz – mal singend, flüsternd, dann wieder schreiend – kombiniert mit dem rohen Sound ihrer Band, machen sie über Nacht zur «Godmother of Punk ». Sie wird zur Wegbereiterin der englischen und amerikanischen Punk- und New-Wave-Bewegung. Mit ihrer Stimme und ihrer prägnanten Körpersprache verpasst sie ihren Texten genau das richtige Gefühl, das sie vermitteln möchte.
Gleichzeitig wird Patti Smith zur Ikone der Frauenbewegung. Als eigenständige Künstlerin, die ihre Texte selbst schreibt und diese mit einer Energie performt, die tief aus ihrem Innersten kommt, ermutigt sie unzählige Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Träume zu verwirklichen.
Es folgen drei weitere Alben, darunter die Single «Because the Night», welche sie in Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen schreibt und die sie in die Charts bringt.

Nach intensiven Jahren im Rampenlicht zieht sich Patti Smith in den 1980er-Jahren zurück, um sich ihrer Familie zu widmen. Doch der plötzliche Tod ihres Ehemanns 1994 trifft sie tief. Sie verarbeitet ihre Trauer in neuen Songs – das daraus entstandene Album erscheint zwei Jahre später, und Patti Smith kehrt auf die Bühne zurück.
Insgesamt veröffentlicht sie elf Studioalben – das bislang letzte erscheint 2012. Doch ihr künstlerisches Schaffen beschränkt sich nicht nur auf Musik: Patti Smith schreibt zahlreiche Bücher – autobiografisch, lyrisch, poetisch, oft mit einer Prise Selbstironie. Ihre Texte sind durchdrungen von ihrer Lebensgeschichte und ergänzt durch Polaroid-Fotografien, die sie über Jahrzehnte hinweg aufgenommen hat. Auch ihre Bilder und Zeichnungen werden international ausgestellt – eine weitere Facette ihres künstlerischen Ausdrucks.
Patti Smith ist bis heute noch aktiv und in der ganzen Welt unterwegs. Als Musikerin, als Schriftstellerin, bildende Künstlerin. Sie engagiert sich für den Umweltschutz und für soziale Gerechtigkeit. Denn Patti Smith kann nicht nur laut und hart, sie kann auch sehr leise, zärtlich und melancholisch.
Stadtbibliothek Rapperswil- Jona, Dominique Sigg
Bild Einstieg: Patti Smith bei einem Auftritt beim Provinssirock Festival, Seinäjoki, Finnland, 2007. Foto: Beni Köhler, via Wikimedia Commons
Patti Smith – Byte FM
Patti Smith – SWR Kultur
Autobiografie «Just Kids» (Buch)

Die Stadtbibliothek Rapperswil-Jona möchte bekannten und weniger bekannten Frauen und ihrem Werk mehr Sichtbarkeit verleihen. Das künstlerische und wissenschaftliche Schaffen dieser Frauen wird monatlich in Form eines Porträts gewürdigt. Nachdem sich die Beiträge zu Beginn auf Frauen aus dem Bereich der Kunst konzentrierten, werden seit 2024 auch Persönlichkeiten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen in den Blick genommen.
Das aktuellste Porträt der Reihe «Frauen der Künste und der Wissenschaften» finden Sie immer am ersten Freitag des Monats im Newsletter und fortlaufend auf unserer Webseite.
Eine Auswahl an Medien für eine weiterführende Beschäftigung mit den
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