Frauen der Künste und der Wissenschaften

Eglantyne Jebb
Kämpferin für die Kinder

Eglantyne Jebb ( 1875 – 1928 )

Eglantyne Jebb, 1920, Foto: Unbekannt, via Wikimedia Commons
Eglantyne Jebb, 1920, Foto: Unbekannt, via Wikimedia Commons

Eglantyne Jebb wuchs in Grossbritannien als viertes Kind einer wohlhabenden Familie auf. Nachdem sie erkannt hatte, dass der Lehrerberuf nicht ihre Bestimmung war, reiste sie in den vom Krieg gezeichneten Balkan, um humanitäre Hilfe zu leisten. Diese Erfahrungen prägten sie tief und bestärkten sie darin, sich sozialen Fragen und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit zu widmen – ein Weg, der von zahlreichen Widerständen begleitet war.

Als überzeugte Pazifistin setzte sich Jebb mit grossem Engagement für notleidende Kinder ein – unabhängig von deren Herkunft. Eine Haltung, die im damaligen Grossbritannien auf Unverständnis stiess. Nach dem Ersten Weltkrieg sammelte sie Spenden für hungernde Kinder in Deutschland und Frankreich, die infolge der alliierten Lebensmittelblockade litten. Dies führte dazu, dass sie wegen «verbotener Propaganda» verurteilt wurde. Doch der Richter, beeindruckt von ihrer Überzeugung und ihrem Mut, bezahlte die Strafe von fünf Pfund aus eigener Tasche.

Bei einer späteren Kundgebung wollte die Menschenmenge die «Verräterin», die Kinder der Feinde unterstützte, mit fauligem Obst bewerfen, doch Eglantyne Jebb sprach mit solcher Leidenschaft über ihre Tätigkeit und ihre Überzeugung, dass sie die Menschen berührte und schliesslich sogar zu Spenden für die Kinder bewegte. Für sie gab es keine Sieger oder Besiegten, keine Guten oder Bösen – nur Kinder, die Schutz und Hilfe brauchten, ganz gleich, in welchem Land sie lebten. In ihren Worten:

«Jeder Krieg, ob gerecht oder ungerecht, ob verhängnisvoll oder siegreich, ist ein Krieg gegen Kinder.»

1919 gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester den «Save the Children Fund». 1920 folgte in Genf die «Save the Children Union», welche unzähligen notleidenden Kindern half. Doch Jebbs Vision reichte weiter: Sie wollte die Rechte der Kinder weltweit rechtlich verankern. Sie entwarf mehrere Grundsätze, die sie dem Völkerbund in Genf vorlegte. Ihr Engagement führte 1924 zur Genfer Erklärung über die Rechte des Kindes – der ersten internationalen Anerkennung von Kinderrechten.

Zwar war diese Erklärung rechtlich noch unverbindlich, doch sie bildete die entscheidende Grundlage für die spätere UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 verabschiedet wurde – ein Datum, das heute als Internationaler Tag der Kinderrechte gefeiert wird.

Eglantyne Jebb selbst erlebte diese Entwicklung nicht mehr. Sie starb 1928 an den Folgen einer Operation. Ihr Vermächtnis aber lebt fort: «Save the Children» ist heute eine der grössten und einflussreichsten Kinderschutzorganisationen der Welt – getragen von der Idee einer Frau, die früh erkannte, dass das Wohl der Kinder die Zukunft der Menschheit bedeutet.

Stadtbibliothek Rapperswil- Jona, Sarah Widmer

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Die Stadtbibliothek Rapperswil-Jona möchte bekannten und weniger bekannten Frauen und ihrem Werk mehr Sichtbarkeit verleihen. Das künstlerische und wissenschaftliche Schaffen dieser Frauen wird monatlich in Form eines Porträts gewürdigt. Nachdem sich die Beiträge zu Beginn auf Frauen aus dem Bereich der Kunst konzentrierten, werden seit 2024 auch Persönlichkeiten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen in den Blick genommen.

Das aktuellste Porträt der Reihe «Frauen der Künste und der Wissenschaften» finden Sie immer am ersten Freitag des Monats im Newsletter und fortlaufend auf unserer Webseite. Eine Auswahl an Medien für eine weiterführende Beschäftigung mit den Frauenfiguren bietet Ihnen unser Bestand vor Ort.

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