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So nah, so hell Belletristik

So nah, so hell
So nah, so hell

Von  Agnes Siegenthaler
Belletristik Erwachsene

Eines Nachmittags verschafft sich Letta unberechtigt Zugang zu einem Haus, das kurz vor der Räumung steht. Mit einem genauen Protokoll im Kopf bewegt sie sich durch die verschiedenen Räume, während sie Ausschau hält nach einem besonderen Andenken an die Frau, die einst hier lebte. Wegen eines Sturms ist sie gezwungen, länger als üblich in diesem Haus zu bleiben. So begegnet sie schliesslich Paul, der nach dem Tod seiner Grossmutter Lore in das Haus zurückgekehrt ist. Im Laufe der nächsten Tage erkundet Letta die Räumlichkeiten und Gegenstände, die sich darin befinden, während Paul, häufig auf dem Sofa liegend, Erinnerungen an die Zeit mit Lore in diesem Haus Revue passieren lässt. Er lässt Letta ‒ die ja eigentlich eine Einbrecherin ist ‒ gewähren, und versucht gleichzeitig anhand Lores rätselhaftem Hinweis herauszufinden, wo er die Asche von ihr verstreuen soll. Als der Sturm vorbeigezogen ist und die entstandenen Schäden behoben sind, trennen sich die Wege von Letta und Paul wieder.

Charakteristisch für den Roman ist der Wechsel von narrativen und lyrischen Passagen, die ineinander verflochten sind. Neben der nur wenige Tage umfassenden Erzählgegenwart, in der Letta und Paul wie in einem Kammerspiel interagieren, wird in einem separaten Erzählstrang der langsame Wandel eines Felsen, der am Dorfrand steht, über lange Zeitbögen hinweg beschrieben. In einer Art Langgedicht wiederum wird das Leben von Lore nachgezeichnet, wobei die Geschehnisse häufig aus Sicht von Gegenständen, die als eine Art Chor fungieren, beobachtet und erzählt werden.

«So nah, so hell» – der Titel, der auf den ersten Blick poetisch und etwas rätselhaft klingt, erweist sich bei näherer Betrachtung als genaue Beschreibung und Verdichtung des Inhalts. So liegt in diesem Roman der Fokus auf der Nähe (und Distanz) zwischen Menschen, Gegenständen und Zeiten; aber auch auf dem Beleuchten und Betrachten jener Beziehungen, die sich in diesen (Zeit)Räumen entwickeln.

Stadtbibliothek Rapperswil-Jona, Rita Krajnc

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