
Magali ist kurz vor vierzig, als die Diagnose Brustkrebs sie aus der Bahn wirft. Doch statt eine klassische Krankheitsgeschichte zu erzählen, zeichnet sie ihren Weg durch Untersuchungen, Operation, Chemotherapie, Ängste und Rückschläge – und das radikal persönlich. Dabei verwandelt sie ihre Erfahrungen in einen wilden, gezeichneten Roadtrip, bei dem oft The Clash aus den Lautsprechern dröhnt.
Der Zeichenstil ist bunt, expressiv und ungeschliffen. Mal quellen die Seiten über vor Eindrücken, dann wieder bleiben sie fast leer und spiegeln Erschöpfung und Sprachlosigkeit. Farben, Formen und Seitenlayout folgen den Gefühlen der Erzählerin und machen ihre innere Welt unmittelbar erlebbar. Immer wieder blitzen Musik- und Popkulturreferenzen auf und verleihen der Geschichte ihren unverwechselbaren Rhythmus.
Die grosse Stärke dieser Graphic Novel liegt in ihrer kompromisslosen Ehrlichkeit. Magali erlaubt sich Panik, Selbstzweifel, Wut auf den eigenen Körper und die Frage nach Weiblichkeit ohne Brüste – offen, direkt, ohne Selbstmitleid oder Kitsch. Gleichzeitig begegnet sie all dem mit schwarzem, rotzfrechem Humor und einer grossen Portion Selbstironie. Gerade diese Mischung macht das Buch trotz seines schweren Themas überraschend leicht zugänglich.
Besonders faszinierend ist die Rolle der Musik. Parallel zur
medizinischen Odyssee entdeckt Magali ihre Leidenschaft für
The
Clash und Joe
Strummer. Der Punk wird zu ihrer inneren Rüstung. Wenn sie sich schwach oder
ausgeliefert fühlt, kommt diese laute, rotzige Punkenergie ins Spiel, die sie
enorm stärkt. Joe Strummer wird zu ihrem imaginären Kampfgefährten, der ihr Mut,
Wut und eine rebellische Trotz-Haltung verleiht. Ein origineller Weg, mit
Krankheit umzugehen.
«Punk à sein» zeigt eindrucksvoll, wie die Erzählform der Graphic Novel komplexe, intime Themen vermitteln kann und die Erzählform des Comics ernst zu nehmen ist.
Stadtbibliothek Rapperswil-Jona, Felicia Meyer